Schöne Kleidung tragen und dennoch Verantwortung übernehmen? Und das Ganze auch noch bezahlbar?

Hast du schonmal versucht, ökologisch und sozial verträgliche Mode zu kaufen? Wenn ja, weißt du, was das für eine Mammutaufgabe ist … wie und von wem sind die Rohstoffe hergestellt worden? Wie ist die Kleidung selbst produziert worden? Wie kam sie zu dir? Wie wurden die beteiligten Menschen bezahlt und behandelt? Wieviel CO2 wurde bei der Herstellung und Lieferung freigesetzt? Wie können die Kleidung und die Verpackung nach Verwendung recycelt werden? Usw. usw. – Wenn man das konsequent durchdenkt, kann man eigentlich kaum ein Kleidungsstück kaufen. Und wenn man doch mal eine Möglichkeit findet, hat man vorher viel Zeit für Recherche aufgewandt. Und die Stücke sind vermutlich teuer.

Wie also passt das zu einer geldsparenden Lebensweise? Muss man sich entscheiden zwischen billigen Klamotten und sparen, wenn man nicht gerade 5000€ netto aufwärts monatlich verdient?? Braucht man einen Sekretär oder Berater, der einem die Recherche abnimmt?

Wir sagen: Nein, muss man nicht. Beides ist möglich. Man muss es nur richtig anstellen 😉

SCHÖNE KLEIDUNG TRAGEN UND DENNOCH VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN IST FINANZIERPAARBAR!

Dieser Artikel ist der erste, der dir die Finanzierpaar-Philosophie vorstellen soll. Uns geht es immer darum, ein Problem als Ganzes zu betrachten und zu lösen. Dafür sind meistens Kompromisse nötig oder anders gesagt muss dafür meist eine Balance zwischen zwei Polen gefunden werden. Am Beispiel der Kleidung zeige ich dir, was ich meine. Lies weiter 🙂

Die Lösung besteht aus mehreren grundsätzlichen und lässt sich natürlich auf die meisten anderen Einkaufsprobleme übertragen. Hier zunächst als Liste, dann mit Erklärungen und dann als Gesamtkonzept zusammengesetzt.

  • 1. Nicht kaufen ist IMMER günstiger als kaufen.
  • 2. Clever kaufen.
  • 3. Dafür sorgen dass das, was man gekauft hat, möglichst lange hält.

Diese drei einfachen Regeln erlauben es dir, günstig und dennoch schön gekleidet durch dein Leben zu gehen – und das ganz ohne gigantischen CO2-Abdruck und ein schlechtes Gewissen wegen Kinderarbeit, Pestiziden, …

Natürlich haben wir diese 3 Regeln nicht „erfunden“ – auch andere (Blogger) haben darüber schon geschrieben, z.B. die Geldfrau. Hier wollen wir dir zeigen, wie wir diese Regeln in unserem Alltag umsetzen.

Dann gehen wir doch direkt mal etwas ins Detail.

1. Nicht kaufen ist IMMER günstiger als kaufen.

Was meine ich damit? Genau das, was dort steht: Möglichst wenig zu kaufen spart allgemein Geld. Klar, oder? In die Praxis umgesetzt heißt das zunächst einmal, nur das zu kaufen, was du wirklich brauchst. Also vorher überlegen, welchen Zweck das Kleidungsstück genau erfüllen soll – ist bei einem T-Shirt schnell erledigt, bei einer Winterjacke oder Schuhen ist die Sache natürlich etwas komplizierter (Farbe? Wasserdicht? Wie warm? Länge bzw. bei Schuhen Höhe? Passt das Produkt auch wirklich in meinen Alltag? usw.). Klar, auf den ersten Blick kostet das jetzt MEHR Zeit – aber wenn du dafür ein Stück hast, welches du jahrelang zufrieden trägst, hat sich der Zeiteinsatz auf jeden Fall gelohnt!

Schau dich doch mal in deiner Wohnung um: Du hast bestimmt schonmal etwas gekauft, womit du am Ende nicht zufrieden warst oder was du dann doch nicht benutzt hast. Um es mal plakativ gegenüber zu stellen: Besser 5 passende, bequeme Schuhpaare, für jeden Anlass was dabei als 10 Paare, die dich drücken oder wo du abwägen musst „bequem oder wasserdicht, was ist heute wichtiger?“.

Vorsicht auch bei vermeintlichen oder tatsächlichen Schnäppchen: Alles zum halben Preis??! Juhu, ich bin dabei! Und wieder 100€ weg … wenn du genau diese Sachen gebraucht hast, wunderbar! Aber meistens bringt einen sowas ja doch wieder dazu Sachen zu kaufen, die man eigentlich nicht braucht. Was bringen dir mehr T-Shirts im Schrank als Tage im Monat?

Was du haben möchtest, ist doch letztens Endes ein Kleiderschrank, in den du gerne hineinschaust und aus dem du gerne Teile herausnimmst und anziehst.

„Ganzer Schrank voll Kleidung aber nix zum anziehen?!?!“
Sorry, falsch eingekauft.

Weniger einkaufen bedeutet auch insgesamt einen Zeitgewinn. Die gewonnene Zeit kannst du dann in Recherche zu gewünschten Produkten stecken oder einfach etwas ganz anderes damit machen: deinen Liebsten eine Freude bereiten, in Ruhe etwas kochen, dich mit jemandem treffen, den du viel zu lange nicht gesehen hast oder ein neues Projekt beginnen.

2. Clever kaufen.

Im Grunde habe ich schon Einiges über das „wie?“ zum Thema clever kaufen in Punkt 1 abgehandelt. Neben dem wie bleiben dann noch die Fragen „wann?“ und „wo?“.

Günstiger und umweltfreundlicher kauft es sich meistens gebraucht, second hand oder du ertauschst dir neue Sachen auf einem Kleidertausch. Weiterhin sieht man an gebrauchten Klamotten am besten die Qualität (im Laden sieht jedes Stück noch gut aus, nach dreimal waschen vielleicht schon nicht mehr) und irgendwelche giftigen Pestizidreste und Farben hat auch schon der Vorbesitzer für dich rausgewaschen. Bei mir führen Flohmärkte und Kleidertausche auch immer dazu, dass ich mal Stücke anprobiere (und manchmal mitnehme), die ich im Laden nie anprobiert geschweige denn gekauft hätte. Wenn es mir dann doch nicht gefällt, kann es ich ja beim nächsten Mal wieder zurückbringen. Auf diese Weise habe ich schon meine Garderobe erweitert 🙂

Eine andere Möglichkeit, die ich selbst gerne nutze, ist mir im Urlaub mal ein neues Stück zu kaufen. Auch damit schlage ich wieder mehrere Fliegen mit einer Klappe: Ich habe ein Erinnerungsstück an den Urlaub und ich habe (vermutlich) etwas, was es bei mir zu Hause gar nicht oder nicht so oft zu kaufen gibt (dann sollte man natürlich die gängigen Klamottenläden, die es überall gibt, vermeiden). Ja, das löst (je nach Einkauf) das Problem der Herstellungsweise nicht. Aber genau das versuchen wir dir hier ja nahe zu bringen. Je nachdem, wie du dich zuvor verhältst, kann das trotzdem ein Schritt in die richtige Richtung sein, denn: Du musst ja Kleidung tragen, nicht kaufen ist keine Lösung. Und Urlaubsandenken sind etwas Tolles. Also auf jeden Fall besser, ein neues Lieblingsshirt aus dem Urlaub mitzubringen als ein nutzloses Dekoteil (womöglich noch aus Plastik 😉 ). Du sparst Geld, wenn du weniger nutzloses Zeugs kaufst und hast daher mehr Geld für Produkte, die aus gutem Grund teurer sind. Und vielleicht kannst du ja auch vor Ort was Tolles kaufen, was für dich nicht teuer ist, aber für den Hersteller trotzdem lukrativ (z.B. bei einem lokalen Designer oder einem sozialen Projekt, …). Jeder kleine Schritt ist wichtig und du kannst nicht nur immer perfekte Entscheidungen treffen. Versuch einfach, dein Bestes zu geben.

Wer lieber neue Sachen kauft oder gebraucht nicht das richtige findet, müsste nach dem Ausprobieren einiger Tipps hier auf dem Blog im Vergleich zu vorher mehr Geld und mehr Zeit zur Verfügung haben. Also steht einer Recherche nach Ökolabels und fair produzierter Kleidung sowie dem Besuch einer kleinen Designerboutique in deinem Städtchen nichts im Wege.

3. Dafür sorgen dass das, was man gekauft hat, möglichst lange hält.

Warum das Geld spart in den meisten Fällen, sollte klar sein. Bei mir ist es aber sogar eher umgekehrt: Weil ich mich intensiver mit der Auswahl beschäftigt habe (siehe 1.) und das Kleidungsstück mit positiven Erinnerungen verbinde (siehe 2.), habe ich ziemlich viele „Lieblingsstücke“ im Schrank. Mit diesen geht man beinahe automatisch besser um!

Auch hier gibt es natürlich wieder unzählige Möglichkeiten, wie man Klamotten länger schön erhalten kann. Neben dem einfachen Punkt, dass qualitativ hochwertige Sachen länger halten sollten als billige, kannst du so einiges selbst tun: gut behandeln und (wenn nötig) reparieren. Hier eine kleine Liste, die dich auf Ideen bringen soll:

1. Wenn du nach der Arbeit/Uni/Schule nach Hause kommst, zieh dich um! Trag zu Hause andere (ältere) Kleidung als tagsüber. Das hat mehrere positive Effekte 🙂
a) Deine Kleidung wird nicht so abgetragen und verwaschen, denn kürzer tragen heißt ja auch seltener waschen.
b) Zu Hause machst du vielleicht mehr Sachen, die deine Kleidung beeinträchtigen können (ja, kommt natürlich auf den Job und das Freizeitverhalten an). Beim Heimwerken oder Kochen wird schonmal was dreckig oder geht kaputt.
c) Es bleibt etwas Besonderes, die schöne Kleidung für die Arbeit anzuziehen. Dadurch hast du seltener das Bedürfnis nach etwas Neuem und kümmerst dich besser um die Stücke. Diesen Punkt finde ich besonders wichtig und ich glaube, dass er unterschätzt wird. Wenn du dich morgens früh für die Arbeit anziehst und dich beim Blick in den Spiegel freust, fängt der Tag gleich richtig gut an und du hast Bock, etwas zu erreichen. Du fühlst dich professioneller und das strahlst du auch sofort aus.
d) Aus psychologischer Sicht ist es auch sinnvoll, sich umzuziehen, wenn man nach Hause kommt: Das ist, wenn man es regelmäßig tut, ein sogenanntes Distanzierungsritual, wodurch du deiner Psyche signalisierst „hier findet ein Übergang von einem Lebensbereich in einen anderen statt“. Wenn dich z.B. ein Teil deines Lebens (Arbeit oder zu Hause) gerade stresst oder ärgert, kannst du ihn einfach „abstreifen“, indem du dich umziehst.

2. Pflege deine Schuhe (wenn sie aus Leder oder einem anderen Material, wo das möglich ist, gefertigt sind).

3. Lass deine Klamotten nicht irgendwo herumfliegen, wo sie zerknüllt oder dreckig werden, wo sie durch die Sonne ausbleichen können, wo du sie vergessen könntest, … Klingt vielleicht doof, aber behandle sie wie Freunde 😉

4. (Jeans)Hosen kann man sehr günstig reparieren lassen, wenn sie aufreißen oder durchgescheuert werden. Bei meiner Schneiderin kostet das z.B. 8€ für eine Hose und sie bekommt es so gut hin, dass man kaum was sieht, auch bei Hosen aus feinerem Stoff. Bei Klamotten, die du nicht unbedingt zur Arbeit, sondern eher zu Hause anziehst, kannst du dich auch selbst an der Reparatur versuchen. Übung macht den Meister 😉

Einschränkungen

Klar, bei allen Vorteilen hat auch diese Methode ein paar Nachteile. Für mich persönlich sind sie zu vernachlässigen, aber ich wollte sie hier doch nicht unerwähnt lassen.

1. Immer mit der Mode zu gehen wird schwierig. Vor allem, wenn man diese absurde Fast Fashion à la Primark betrachtet mit neuen Kollektionen alle paar Wochen.

2. Wer Shopping als Hobby betrachtet, sollte sich ein neues Hobby suchen. Oder du bist so flexibel, dass du auch Recherche nach anständigen Labels und nach Kleidertauschterminen miteinbeziehen kannst 😉

3. Am Anfang ist es immer schwierig, seine Komfortzone zu verlassen und neue Wege zu beschreiten. Aber es lohnt sich auf jeden Fall und durch Übung wird (fast) alles leichter.

Und jetzt bist du dran!

Wie handhabst du das Thema? Machst du dir Gedanken darüber? Bist du auf andere Lösungen gestoßen als wir? Wir freuen uns über einen konstruktiven Austausch 🙂

Und denk immer dran: Ein gutes Leben ist finanzierpaarbar, auch mit wenig Geld, wenn du dir nur ein paar Gedanken machst. Alleine wirst du die Welt sowieso nicht retten und du musst auch nicht stinkreich werden. Aber dafür zu sorgen, dass du die Welt weniger kaputt machst, dass du ein Zeichen gegenüber Produzenten setzt („ja, ich möchte nachhaltige und fair hergestellte Produkte kaufen und bin bereit, dafür zu bezahlen!“) und dabei trotzdem ein kleines Vermögen aufzubauen, das ist doch ein lohnenswertes Ziel?!

Viele Grüße
eure Anja

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